Für den Anfänger

Dies ist eine Anleitung zur Herstellung eines ersten eigenen selbstgefertigten Messers.

Am Anfang steht wie bei vielen Dingen die Idee, der sogenannte Entwurf.
Der Entwurf wird mit allen Einzelheiten wie Bohrlöcher für Nieten und Backen,
Lage der Backen, Schliff usw. auf Papier gebracht. Die Papierschablone ausschneiden und auf den Stahl aufkleben:

Es ist ratsam, beim allerersten Messer nicht zu kompliziert zu werden, sonst verlieren Sie die Lust am evt. neuen Hobby.
Die Kontur des Messers müssen Sie jetzt aussägen, wobei ca. 1 mm Material über der Schablone noch stehen bleiben soll. Eine andere Möglichkeit ist, Loch neben Loch entlang der Kontur des Messers zu bohren, und die Zwischenstege mit einem Meißel durchzutrennen, anschließend den Stahl mit der Kontur der Schablone eben feilen oder eben schleifen.

Die vorher festgelegten Bohrungen für Nieten und Backen ebenfalls mit einem Körner ankörnen und die dementsprechenden Durchmesser bohren. In unserem Angebot für Nieten finden Sie Neusilber und Edelstahl von 3-8 mm. Es ist Ihre Entscheidung.

Für den Schliff der Klinge sollte man zwischen Flach- und Hohlschliff wählen:
Für den Anfänger, der evtl. keinen Bandschleifer besitzt oder auch keinen Zugang zu solch einer Maschine hat, ist es ratsam, einen Flachschliff zu wählen, denn Flachschliff kann man selber mit einer Feile anbringen. Dazu die Mitte der Schneide anreißen und mit der Feile einen gleichmäßigen Keil anfeilen. Dies ist eine etwas schweißtreibende Arbeit, aber es ist möglich, mit einem Bandschleifer geht es jedoch wesentlich leichter.

Wenn Sie den Schliff fertig gefeilt haben, können Sie gleich zum Finish übergehen.
Mit Schleifpapier Korn 220 in Längsrichtung (parallel zur Schneide) einen gleichmäßigen Längszug aufbringen und bis zur Körung 600 fortsetzen (Satinieren).
Wenn alle Bohrungen angebracht sind, die Klinge satiniert ist, kann man das Messer zum Härten geben, um die Eigenschaften des Stahl zu erhalten (Härte, Rostfreiheit, Schnitthaltigkeit, Elastizität).
Sollten Sie keine Härterei kennen, wir übernehmen das gerne für Sie. Wir härten derzeit einmal im Monat und zwar am letzten Freitag. Bis zu diesem monatlichen Termin sollten wir Ihre Klinge bei uns im Hause haben. Wichtig: Stahlsorte und gewünschte Härte angeben:

Die Klinge ist vom Härten zurück und man kann zum nächsten Schritt übergehen:
Sie satinieren nochmals mit Korn 600 und steigern sich über Korn 800 zu Korn 1200.

Anschließend die Klinge abkleben (Tesa Krepp) um sie vor Kratzern zu schützen.

Nun können Sie mit der Backenvorbereitung beginnen. Sie nehmen ein Stück Neusilber oder Edelstahl und bringen sie auf Breite und Länge wie auf der Papierschablone festgelegt.
Dies kann durch Sägen, Schleifen oder Feilen geschehen, hier kann man gleich auf saubere Oberflächen achten, dann hat man hinterher, wenn die Backen auf das Messer aufgebracht werden weniger ärger und gleich einen schönen Abschluß.
Die festgesetzten Bohrungen in der Klinge jetzt auf die Backen übertragen, Stifte durchstecken und anschließend mit dem Hammer kräftig vernieten.

Der nächste Arbeitsgang betrifft den Griff des Messers. Sie können unter einer Vielzahl von Griffmaterialien auswählen, wir bieten allein schon 20 Sorten Micarta an.
Sie haben sich also z.B. für ein rotes stabilisiertes Ahorn entschieden.
Sie zeichnen auf die Griffschalen den Umriss des Messergriffes auf (Fettstift) und sägen z.B. mit der Laubsäge die Kontur entlang Ihrer Anrisslinie aus. Achten Sie darauf, nicht zuviel wegzusägen. In gleicher Weise können Sie mit Fibermaterial verfahren, allerdings kann man Fiber mit der Schere schneiden. Fiber können Sie als Zwischenlage von Griff und Griffmaterial verwenden und bilden dadurch einen eleganten Kontrast.
Fiber bieten wir in verschiedenen Stärken (0,3-1,0mm) und Farben an. Ihre Entscheidung.

Wir kommen jetzt zum Verkleben des Griffes. Als Kleber verwenden wir einen Zweikomponentenkleber UHU Plus Endfest 3000, im Fachhandel erhältlich.
Natürlich müssen Sie noch die Nietlöcher für den Griff in Holz und Fiber übertragen, ähnlich verfahren wie beim Backen bohren. Danach den Kleber gemäß Gebrauchsanweisung anmischen, die zu verklebenden Teile einstreichen und alles zusammen (2x Fiber,2x Holz) miteinander verkleben, die Stifte durchstecken und die ganze Angelegenheit mit z.B. Schraubzwingen verpressen und aushärten lassen.

Nach dem Aushärten des Klebers können Sie zur Griffbearbeitung übergehen.
Feilen oder schleifen Sie zuerst das überstehende Material eben zur Klinge.
Sie können jetzt selbst entscheiden, wie Sie den Griff Ihres Messers gestalten wollen.
Sie müssen selbst festlegen, wie "dick", "rund" oder konturenreich Sie den Messergriff ausführen wollen. Unser Griffschraubstock ist Ihnen hier sehr hilfreich.
Auf jeden Fall nehmen Sie Ihr Messer öfter in die Hand und Sie werden sehr schnell merken, wo sie noch Kanten haben oder wo Ihnen der Griff noch nicht so gut in der Hand liegt.

Wenn Sie mit der Feile Ihren Griff fertig haben, gehen Sie weiter wie beim Satinieren vor. Schleifen Sie den Griff, beginnend von Korn 220 bis Korn 800 frei von Feil- und Schleifspuren, am besten in einer Richtung, sodassIhr Griff polierfähig wird. Zum Polieren des Griffes empfehlen wir unsere Polierpaste Rot (Hochglanz) und zum Polieren von Neusilber oder Edelstahl unsere Polierpaste blau. (Bohrmaschine+ Polierdorn+Polierscheiben oder Filz)

Reinigen Sie Ihr Messer mit einem weichen Tuch von Polierresten, entfernen Sie das Klebeband von der Klinge und betrachten Sie Ihr Werk.

Schärfen können Sie die Klinge mit einer Diamantfeile oder wie die Profis am Bandschleifer. Natürlich erhalten Sie im Fachhandel auch sehr gut zu verwendende Schärfsets.

Nachdem Sie also Ihr Messer nun selbst gebaut haben, steht noch das Thema Scheide zur Debatte.

Nehmen wir einmal unseren Standardvorschlag im Katalog.
Sie nehmen die Lederscheide und drehen sie auf die Unterseite. Mit einem Bleistift die Mitte kennzeichnen und an der Außenseite der Scheide ebenfalls eine parallele Linie im Abstand von ca. 8-10 mm anreißen. Diese Linie wird später als Nählinie gelten.

Parallel zur Nählinie müssen Sie jetzt die Kontur Ihres Messers anreißen. Dabei ist darauf zu achten, daß Sie genügend Abstand zur Nählinie halten. Diese Linie des Messers sollte so gelegt werden, dass Sie das Messer mit leichtem Druck später in genähtem Zustand entlang der Mittellinie in die Lederscheide einschieben können.

Aufgrund dieser beiden nun gezeichneten Linien ergibt sich die Breite der Zwischenlage, der sogenannte "Keder". Diesen Keder schneiden Sie aus einem Stück Leder gesondert aus.
Entlang der Nählinie können Sie jetzt mit einem Zirkel die einzelnen Lochabstände festlegen und dann mit unserer Lochpfeife und einem Hammer durchschlagen.
Kleben Sie nun den Keder entlang der Außenlinie auf die Rückseite der Scheide auf.
Nach dem Trocknen bohren Sie die vorgeschlagenen Nählöcher mit einem 2 mm Bohrer durch den Keder. Auf den Außenseiten der Scheide haben Sie ja schon mit der Lochpfeife die Nählöcher vorgeschlagen.

Nachdem alle Löcher gebohrt sind, kommen wir zum Nähen der Scheide.
Achtung beim Knicken des Leders, nur in nassem Zustand, sonst besteht Rissgefahr!

Wir verwenden unseren Faden Forellengarn, denn diesen Faden braucht man nicht durch Wachs oder Pech o.ä. ziehen, wir können sofort beginnen. Nehmen Sie ca. 6x Diagonallänge Ihrer Scheide und längen Sie den Faden ab. Mit unseren Nadeln geht das Nähen relativ leicht und wir beginnen an der Scheidenspitze und nähen doppelt bis zur Oberkante durch.

Sie müssen jetzt selbst entscheiden, ob die Scheide zum besseren Halt des Messers einen Querstich braucht oder nicht. Die beiden Enden gut verknoten und Sie können die Enden nach dem Verknoten leicht abbrennen und verschmelzen.
Wenn Sie jetzt die Kante der Scheide betrachten, so werden Sie feststellen, daß Sie hier noch etwas Schleifarbeit leisten müssen. Mit einem "scharfen Schleifband" können Sie die Kanten wunderbar eben schleifen und evt. mit einem Kantenbrecher noch brechen.

Jetzt können Sie wiederum selbst entscheiden, ob Sie die Scheide noch einfärben wollen oder die nächste vielleicht schon punziert nehmen usw.

Sie sehen also, beim "MESSERMACHEN" können Sie Ihrer Fantasie und Ihrem Geschick freien Lauf lassen. Bei entsprechender Sorgfalt und mit etwas Geschick wird immer etwas Positives beim Messerbau herauskommen.

Wir wünschen Ihnen auf alle Fälle viel Spaß beim Messerbau.
Gutes Gelingen mit Ihrem vielleicht neu gefundenen Hobby als Messermacher!!

Selbstverständlich stehen wir Ihnen für alle weiteren Fragen gerne zur Verfügung.
Sollten Sie dennoch Probleme mit dem Messerbau haben, wir führen Wochenendmesserseminare sowie Lederseminare  im Jahr durch und Sie können daran jederzeit teilnehmen. 
INFO + TERMINE unter Tel. 08685/507